|
Klezmer chidesch begeistern im jüdischen Gemeindesaal
Rappelvoll war der Gemeindesaal am Sonntagnachmittag. Es mussten sogar noch
Stühle geholt werden, und einige Zuhörer saßen auf dem Boden im Mittelgang des
jüdischen Gemeindesaals, um dem Konzert der Berliner Band Klezmer chidesch zu lauschen.
„Der Name der Gruppe bedeutet auf Deutsch „Klezmer-Wunder”, und wunderbar gelang es
den vier Profimusikern bereits beim ersten Lied, ihre Begeisterung für den Stil auf das
Publikum zu übertragen.
Mit zum Teil rasantem Spieltempo begeisterten sie die Zuhörer mit ihrem Mix aus heiteren
und herzergreifenden Liedern. Bei „Donay Donay” sang und klatschte jeder im Publikum mit.
Musikalisch besonders beeindruckend war das gefühlvolle Spiel von Pan Marek an der Zimbel.
Auch Igor Sverdlov an der Klarinette, Alexander Franz am Kontrabass und Jossif Gofenbergs
Akkordeonspiel und Gesang überzeugten. Man konnte spüren, dass sie für diese Musik leben,
die sie, so Jossif Gofenberg zur AZ, bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben. Sie
vereinten Jazz mit klassischen Elementen und ließen in ihr facettenreiches Spiel
Improvisationen aus chassidischen Melodien und jüdischen Volksliedern mit einfließen.
Klezmer chidesch sind international keine Unbekannten. Die Musiker nehmen an Wettbewerben
im In- und Ausland teil und haben diverse Preise gewonnen.
Der Begriff Klezmer entstammt der rabbinischen Literatur und ist dort der Name für
die Instrumente zur Gesangsbegleitung. Die Musik soll die Freude und Trauer des Lebens zum
Ausdruck bringen; sie vereint Nostalgie, Melancholie, Liebe und Heiterkeit in einem Lebensgefühl,
das genauso vielfältig ist wie die osteuropäische jüdische Kultur, in der diese Art von Musik
entstanden ist. Klezmer ist ein Mix der Musik rumänischer, ukrainischer, polnischer, russischer,
ungarischer, griechischer und türkischer Juden und trägt in leidenschaftlichen Liebesliedern,
heiteren Hochzeitstänzen, in Balladen über historische Ereignisse, in politischen Hymnen und
Widerstandsliedern Melodien und Rhythmen der ganzen Welt zusammen. bjt”
Gießener Allgemeine vom 17.08.2010
|